19.07.2025
Meine Keynote beim WoMent-Programm der Heilbronner Hochschulen über ambidextres Leadership, wirksames Change Management und die Kraft gezielter Führungsimpulse
Was macht eine Führungskraft in einer Welt, in der sich alles ständig bewegt? Wie setzt man Impulse, die gleichzeitig Stabilität sichern und Innovation ermöglichen?
In diesem Beitrag zeige ich – am Beispiel meiner Keynote beim WoMent Cross-Mentoringprogramm der Heilbronner Hochschulen – wie Führung heute funktioniert, wenn man Ambidextrie, Paradox Leadership und gezieltes Change Management zusammendenkt.
Sie erfahren, warum Impulse in der Führung oft paradox wirken, wie man zwischen den Polen von Effizienz und Innovation navigiert, und warum Selbstreflexion (zum Beispiel durch Journaling) in meinen Workshops und Keynotes eine zentrale Rolle spielt.
Ich bin seit vielen Jahren Mentorin im Cross-Mentoringprogramm WoMent der Heilbronner Hochschulen. Das Programm bringt weibliche Nachwuchsführungskräfte und erfahrene Mentor*innen zusammen, um Karrieren zu fördern, Perspektiven zu erweitern und starke Netzwerke aufzubauen.
Was ich meinen Mentees mitgebe, basiert auf meinen eigenen Erfahrungen als Führungskraft. Für mich war es nie ein Thema, dass ich als Frau schlechtere Karten haben könnte oder mir Wege verwehrt bleiben – und genau diese Haltung gebe ich auch weiter. Viel wichtiger ist für mich, meine eigene Entwicklung als Führungskraft zu reflektieren und meine heutige Sicht auf Führung zu teilen.
Diese Erfahrungen aus dem Mentoring und meiner eigenen Führungslaufbahn durfte ich dieses Mal in einem neuen Rahmen einbringen: Ich wurde eingeladen, als Keynote-Speakerin und Impulsgeberin beim WoMent-Programm aufzutreten. Dort präsentierte ich meine Sichtweisen in einer besonderen Mischung – geprägt von jahrelanger Führungspraxis und untermauert durch meine Forschung zu Organisationen im Wandel. Dabei stand vor allem die Rolle von Ambidextrie in der Führung von Veränderungsprozessen im Mittelpunkt.
In all meinen Keynotes starte ich nicht nur mit Fachwissen, sondern auch „mit einem Schwank aus meinem Führungsleben“. Persönliche Einblicke gehören für mich fest dazu – sie machen Theorie greifbar, schaffen Nähe und zeigen, wie ich selbst als junge Führungskraft Herausforderungen gemeistert und meinen Führungsstil über die Jahre weiterentwickelt habe.
Ich selbst war früh in einer Führungsposition und habe erlebt, wie anspruchsvoll, aber auch erfüllend diese Aufgabe sein kann. Über die Jahre hat sich mein Führungsverständnis stark verändert – weg vom klassischen Bild der einzelnen starken Leaderin, hin zu einem kollektiven Führungsansatz, der auf Vertrauen, Reflexion und gemeinsamer Verantwortung basiert.
Diese Sichtweise ist besonders relevant für Frauen in der Führung, die in vielen Organisationen noch immer vor besonderen Herausforderungen stehen – und oft schon führen, ohne es sich bewusst zu machen. Für mich ist klar: Führung beginnt nicht mit einer Visitenkarte oder einem Titel, sondern mit einer inneren Haltung und dem Mut, Veränderungen aktiv zu gestalten.
Während meiner Keynote wurde schnell deutlich, wie viel Führungskraft im Raum versammelt war. Statt einer reinen Frontalpräsentation startete ich bewusst interaktiv – mit einer Aufstellungs-Übung, um sichtbar zu machen, wie vielfältig Führung gelebt wird. Das Ergebnis: Viele der Teilnehmer*innen führten längst – in Projekten, durch Fachwissen oder im Ehrenamt – ganz ohne formalen Titel.
Diese Übung verdeutlichte nicht nur, dass Führung weit mehr ist als eine hierarchische Position, sondern machte auch sichtbar, welche wertvolle Führungserfahrung bereits im Raum vorhanden war.
Am Ende der Keynote folgte ein kurzer Journaling-Impuls: Jede Teilnehmerin reflektierte für sich, was das eigene Verständnis von Führung ausmacht. Diese Gedanken nahmen wir mit in eine Breakout-Session, die den Charakter eines Mini-Workshops hatte. Dort haben wir gemeinsam diskutiert, was gute und schlechte Führungskräfte ausmacht – und welche konkreten Impulse wir für Exploration (Neues ausprobieren) und Exploitation (Bestehendes optimieren) setzen können.
Ich nutze Journaling gerne in meinen Seminaren, Workshops und Keynotes, weil es einen Raum schafft, in dem jede*r in Ruhe nachdenken, Gedanken sortieren und eigene Erkenntnisse festhalten kann – fernab von der Dynamik der Gruppendiskussion. Gerade bei Themen wie Führung und Veränderung ist diese Selbstreflexion entscheidend, um nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern auch persönlich zu verankern, welche Haltung und welche Impulse man selbst einbringen möchte.
Deshalb: Noch bevor meine Teilnehmer*innen den Raum betreten, liegen die vorbereiteten Hefte und Stifte schon bereit – als Einladung, den Stift in die Hand zu nehmen und die eigenen Gedanken festzuhalten. (Bild)
Dieses interaktive Format aus Impulsvortrag, Reflexionsübungen und Mini-Workshop biete ich auch für Unternehmen, Konferenzen und Führungskräftetrainings an – individuell zugeschnitten auf Zielgruppe und Anlass. Wer Führung nicht nur verstehen, sondern erleben will, bekommt hier beides: fundierte Inhalte und spürbare Veränderungsimpulse.
Mein Impuls führte zu einer zentralen Frage: Wie können Führungskräfte in einer sich ständig verändernden Welt gleichzeitig Stabilität sichern und Innovation fördern? Genau hier kommt der Ansatz der Ambidextrie – oder „ambidextrous leadership“ – ins Spiel.
Ambidextrie beschreibt die Fähigkeit, zwei scheinbar gegensätzliche Führungsaufgaben gleichzeitig zu meistern: Exploitation, also das Erreichen operativer Exzellenz durch Optimieren und Effizienthalten des Bestehenden und Exploration, das mutige Erschließen neuer Ideen, Märkte und Möglichkeiten. In der Praxis bedeutet das, dass Führungskräfte nicht alles selbst entscheiden, sondern – bewusst oder unbewusst – ambidextre Strategien umsetzen: Sie geben klare Impulse, schaffen Orientierung und stellen Ressourcen bereit, während Teams eigenverantwortlich Prioritäten setzen, Experimente starten und Prozesse verbessern.
In meinem Vortrag habe ich gezeigt, wie sich das im Führungsalltag umsetzen lässt: Zum Beispiel, indem Teams zu Beginn eines Sprints selbst entscheiden, wie viel ihrer Zeit in Optimierung (Exploitation) und wie viel in Neuerungen (Exploration) fließt. Oder indem eine Organisation feste Rituale einführt – etwa wöchentliche Innovationsslots für Experimente und regelmäßige Prozessreviews für Effizienzsteigerung.
Mein Credo ist klar: Viele sprechen über Ambidextrie, Change Management oder Paradox Leadership auf einem sehr abstrakten Level. Entscheidend ist jedoch, welche konkreten Impulse eine Führungskraft tatsächlich setzt – und welche Wirkung diese in der Organisation entfalten.
Führung ist für mich eine Aktivität, kein Titel. Sie besteht darin, aufmerksam zu beobachten, was sich dynamisch in einer Organisation entwickelt, dieses Geschehen zu monitoren, zu reflektieren und bewusst zu steuern. Dabei wirken Menschen in formalen und informellen Führungsrollen zusammen: Sie greifen Impulse auf, interpretieren sie in ihrem Kontext und geben sie in angepasster Form in die Organisation zurück. So entsteht ein komplexes, lebendiges Zusammenspiel über mehrere Ebenen hinweg.
Impulse wirken häufig paradox. Starte ich montagmorgens mit dem Fokus auf die aktuellen Zahlen und der Aufgabe, Kostenabweichungen zu korrigieren, lenkt das die Energie klar in Richtung Effizienz und operative Exzellenz – also Exploitation. Lade ich stattdessen dazu ein, neue Geschäftsideen zu entwickeln, öffnet das den Raum für Exploration. Und wenn ich mein Team darüber hinaus ermutige, eigenständig zu entscheiden, welche Schritte sinnvoll sind, sprechen wir von Empowerment – der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Impulse selbst weiterzutragen.
Die Frage, welche Impulse im richtigen Moment gesetzt werden, ist nicht nur zentral für ambidextre Führung, sondern auch für wirksames Change Management. In meinem Fachbuchkapitel, das ich gemeinsam mit meinem Kollegen Professor Christian Schaller verfasst habe, zeigen wir, wie Führung als kollektive Aktivität funktioniert – und warum nachhaltige Veränderungen nur dann gelingen, wenn Impulse nicht ausschließlich von einer einzelnen Führungskraft kommen, sondern aus dem Zusammenspiel vieler Rollen und Ebenen innerhalb der Organisation.
Dabei beleuchten wir, wie sich Change Management verändert hat: von einer traditionellen, top-down-orientierten Sichtweise hin zu einem modernen, partizipativen Ansatz – und wie ein perspektivisches Change Management aussehen könnte, das Führung konsequent als kollektive Aktivität auf allen organisationalen Ebenen (Individuum, Team, Organisation) versteht. Genau dieses Zusammenspiel macht Veränderung wirksam, tragfähig und dauerhaft.
Mein Vortrag bei WoMent war für mich nicht nur ein Impuls an andere, sondern auch eine Erinnerung an mich selbst: Führung ist niemals statisch. Sie verändert sich – mit jeder Begegnung, jedem Projekt und jedem Dialog. Und genau darin liegt ihre Stärke: Bewegung ermöglicht Anpassung, Innovation und nachhaltigen Erfolg.
Die Gespräche mit den Nachwuchsführungskräften und Mentor*innen im Rahmen von WoMent haben mir einmal mehr gezeigt, wie wertvoll dieser Austausch ist. Mentoring schafft geschützte Räume, in denen Erfahrungen geteilt, Fragen gestellt und neue Perspektiven entwickelt werden können. Für Frauen in Führungsrollen* sind solche Netzwerke entscheidend, um Karrierewege zu gestalten, Kompetenzen zu erweitern und den eigenen Führungsstil bewusst zu entwickeln.